Hotelmarkt Tübingen 2012

Apr 17th, 2012 | By | Category: Standorte, Weiteres

Es fehlt ein frischer Wind im Landkreis Tübingen, Bettenauslastung hält sich in Grenzen

Die Untersuchung „Zukunftsatlas 2010“ sieht den Landkreis Tübingen auf Rang 57 von 412 Städten und Landkreisen in Deutschland in Bezug auf künftige Wachstumsperspektiven. Damit zählt Tübingen zu den Standorten mit hohen Zukunftschancen. Tübingen profitiert durch seine Lage im Großraum Stuttgart. Der Standort Tübingen ist geprägt durch mehrere weiche Standortfaktoren die den Freizeitwert und die touristische Wahrnehmung beeinflussen, eine hohe Relevanz besitzen und Möglichkeiten bieten Programme für Touristen zu schnüren. Gezeichnet von der fast 1.000jährigen Geschichte der Stadt sind vor allem die historische Altstadt mit dem Rathaus und dem Schloss Hohentübingen.

Das Bild der Stadt Tübingen wird dominiert durch die Universität, die mit ihren angeschlossenen Kliniken und Instituten der größte Arbeitgeber der Stadt ist. Mit rund 15.000 in Tübingen lebenden Studenten unter den 88.000 Einwohnern ist Tübingen die jüngste Stadt Deutschlands. Darüber hinaus findet sich in Tübingen eher wenig Industrie. Für eine Umfrage konnten lediglich ca. 160 für den Beherbergungsmarkt relevante Adressen ermittelt werden – ein im Vergleich zu anderen Umfragen sehr geringer Wert. Neben den ansässigen Unternehmen aus dem Maschinenbau finden sich in Tübingen insbesondere Firmen und Einrichtungen, die in Zusammenhang mit der Universität stehen (Institute, Unfallklinik, Neugründungen aus dem Bereich Biotechnologie etc.). Anzumerken ist, dass es im Stadtgebiet auch verhältnismäßig wenige Expansionsflächen gibt und somit auch wenige Großunternehmen im Landkreis vertreten sind.


Neckarfront                                                                         Rathaus

Eine neue Zielsetzung des Stadtmarketing muss her

Der Standort Tübingen wird im Wesentlichen vom Bürger- und Verkehrsverein vermarktet, der die touristischen Interessen in Verbänden, Politik und Öffentlichkeit vertritt. Die Effektivität des Standortmarketings ist ausbaufähig.  Die Zahl der Ankünfte (2010: 103.791) und Übernachtungen (2010: 208.835) ist in den vergangenen Jahren relativ konstant geblieben, die durchschnittliche Aufenthaltsdauer stieg von 1,9 auf 2,0 Tage an. Die Übernachtungsintensität beträgt in Tübingen 237 Übernachtungen je Einwohner und ist damit im regionalen Vergleich eher niedrig. Der Anteil inländischer Übernachtungen betrug 2010 rd. 76%. Ein hoher Bedarf an Übernachtungen besteht in den Monaten Juni, Juli sowie September und Oktober. Eine etwas geringere Nachfrage besteht im Mai und  August. In den Wintermonaten Dezember, Januar und Februar ist die Nachfrage deutlich schwächer. Eine Steigerung hat laut Verkehrsverein in der Schultersaison (Ostern, April, Oktober, November) stattgefunden.

Kein Marktpotential für gehobene Hotels

Das Angebot an Beherbergungsstätten in Tübingen besteht aus mehreren, meist kleinen Privathotels sowie sonstigen Übernachtungsangeboten. Die Hotellerie im Zentrum ist im wesentlichen auf Freizeitreisende und Geschäftsreisende ausgerichtet, weniger auf Tagungen. Bedingt durch die geringen Kapazitäten müssen bei größeren Veranstaltungen die Teilnehmer in mehreren Hotels und teilweise auch in den umliegenden Orten untergebracht werden. Diese meist sich universitär ergebenden Auslastungsspitzen sind jedoch nur temporärer Natur. Mit geringen Schwankungen hat das Angebotsvolumen in den vergangenen Jahren nahezu stagniert. Die Anzahl der Beherbergungsgewerbe stieg in den letzten Jahren auf 32, die Zahl der angebotenen Betten wuchs im gleichen Zeitraum allerdings nur um 0,9% p.a. auf 1.593 Betten und damit geringer als die Nachfrage (2,0%).

Ein wesentliches Grundproblem: Der Landkreis verfügt über keinen Betrieb, der mehr als 80 Zimmer anbietet. Die meisten Betriebe sind deutlich kleiner und vorwiegend auf die Gastronomie ausgerichtet. Die durchschnittlich angebotenen Betten pro Betrieb fallen mit 50 gering aus. Nur zwei Betriebe verfügen über ein umfangreicheres Angebot an Tagungsmöglichkeiten. Durch ein größeres Hotel würde die durchschnittliche Belegung am Standort kurz- bis mittelfristig zurückgehen. Es ist unklar, wie viel zusätzliche Nachfrage mit einem neuen Hotel nach Tübingen geholt werden kann.

Fazit

Am Hotelmarkt Tübingen ist bislang kein Hotel im 2-3-Sterne Standard aktiv, der größte Betrieb in der Stadt verfügt über nur 50 Zimmer. Insofern besteht eine Angebotslücke für ein Budget- oder Economyhotel mit ca. 100 Zimmern. Um dieses wirtschaftlich betreiben zu können, ist eine national oder international bekannte Marke, ein klar auf die Nachfragesituation abgestelltes Konzept und die Verbesserung der Marketingmaßnahmen erforderlich.

Die Schollen & Mücke Hotel Asset Management GmbH hat an der laufenden Entwicklung eines solchen Hotels mitgewirkt. Letztlich ist jedoch festzuhalten, dass Tübingen ein schwieriger Hotelstandort ist, der aber durchaus Potential aufweist.

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